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Hinweise zur Durchführung von Fragegesprächen

Wenn man Gespräche führt, bei denen es darum geht, Dinge aufzuklären, Informationen über Sachverhalte zu gewinnen, sich Klarheit zu verschaffen usw., ist eine frageorientierte Gesprächsführung meistens zielführend. Diese Art der Fragestellung fordert den Kandidaten heraus, dass er aktiv bleibt und es soll ihn anregen eigene Lösungen zu finden, möglichst auf einer profunden Grundlage.

Das Fragegespräch dient in erster Linie der Informationsgewinnung. Dies gilt für den Kandidaten mindestens genauso, wie für den Lernprozessbegleiter. Er kann durch aktives zuhören dem Interviewten dazu verhelfen, sich und seinen Arbeitsprozess selbst zu reflektieren. Das laute Sprechen verbessert die Chancen sich Klarheit über einen Sachverhalt und seine Gefühle zu verschaffen.






Hinweise zur Durchführung von Fragegesprächen


Haltung
Neben technischen Gesichtspunkten ist die Haltung, die innere Einstellung, die der Lernprozessbegleiter während des Gesprächs einnimmt, von großer Bedeutung. In Bezug auf die Haltung gibt es drei Perspektiven, die einzunehmen sich auf den Gesprächserfolg förderlich auswirkt:

Man weiß von gar nichts

Man kennt sich überhaupt nicht in der Thematik aus, als käme man „von einem anderen Stern“ und würde die Dinge aus einer „Marsmenschenperspektive“ sehen. So gelingt es eher, echte Fragen zu stellen und nicht solche, die den Eindruck vermitteln, man wisse schon alles. Kenntnisse über das zu besprechende Thema sind für den Interviewer nicht unbedingt von Vorteil, weil sie eventuell die Neugier hemmen und bestimmte Seiten des Problems dadurch nicht mehr weiterverfolgt werden können.

Der Interviewte hat immer recht

Diese Haltung einzunehmen, fällt mitunter nicht leicht, besonders dann, wenn man von vornherein schon eine andere Meinung als der Interviewte vertritt. Lässt man jedoch durchblicken, dass der Befragte aus der eigenen Sicht im Unrecht ist, steigert man damit nicht dessen Auskunftsbereitschaft sondern seine Selbstverteidigung. Wenn der Fragende wirklich etwas herausfinden will, muss er akzeptieren, dass jeder Mensch seine eigene Logik verfolgt. Das Gespräch soll ja dem Lernbegleiter dazu dienen, sich Klarheit zu verschaffen und nicht dazu, seine eigene Meinung zum Ausdruck zu bringen und sich seine Vorurteile bestätigen zu lassen.

Keine (vorschnellen) Lösungen anstreben

Wenn irgendwelche Missstände besprochen werden, ist oft zu beobachten, wie sich eine „Wolke des Unbehagens“ auf die Beteiligten herabsenkt. Obwohl man selbst vielleicht gar nicht von dem Fall betroffen ist, wird man in das Problem hineingezogen, was ein Gefühl des Unbehagens hervorruft. Diesen unangenehmen Zustand versucht man dadurch aufzulösen, indem man Vorschläge zur Problemlösung vorbringt.


Technik
Bezüglich der Technik wirken sich folgende Regeln förderlich auf das Gespräch aus. Auf den ersten Blick wirken sie vielleicht banal, in der Praxis werden sie jedoch häufig vernachlässigt.

Zuhören statt reden

Das Gespräch bzw. Interview erfüllt seinen Zweck nicht, wenn der Interviewer mehr redet als der Befragte. Als Faustregel gilt: der Fragende hat 10% der Redezeit! Ein sicheres Zeichen für die Nichteinhaltung dieser Regel ist die Äußerung des Befragten: „Wenn ich auch einmal etwas sagen dürfte...“.

Fragehaltung nicht aufgeben

Die eigene Meinung in den Vordergrund zu stellen, führt zu einer Diskussion, womit das Interview beendet wäre.
Es kann sinnvoll sein, den Gesprächspartner zu eigenen Fragen zu ermutigen. Beginnt dieser jedoch eigene Fragen nur deshalb zu stellen, weil dem Interviewer selbst keine mehr einfallen, besteht eine mögliche Reaktion darin, möglichst wenig zu antworten. Wichtig ist auch, darauf zu achten, wann sich ein Gespräch erschöpft.

Keine Reaktion außer Verständnis
Förderlich für das Gespräch ist, wenn man den anderen wirklich verstehen will. Die Äußerung von Zweifel, entweder verbal (z. B. „Das glauben Sie wohl selbst nicht!“) oder im Ausdruck (z. B. Kopfschütteln, vielsagendes Lächeln), führt in ein Angriffs- und Verteidigungsspiel.

Offene und einfache Fragen stellen
Der Befragte soll das Gefühl haben, frei reden zu können. Geeignet sind daher kurze, einfache und sog. offene Formulierungen, die Raum für ausführliche Antworten eröffnen, z. B. „Wie ging das vor sich?“, „Warum ist das so?“, „Wie hat sich das entwickelt?“ (sog. W-Fragen).
Das Gegenteil zu offenen Fragen sind geschlossene Fragen, auf die der Befragte nur mit ja oder nein antworten kann. Diese sind nicht gesprächsförderlich, nicht zuletzt auch deshalb, weil sich der Fragesteller sofort eine neue Frage überlegen muss, um das Gespräch weiterführen zu können.

Suggestivfragen vermeiden
Suggestivfragen („Sind Sie nicht auch der Meinung, dass...?) sind Unterstellungen und führen dazu, dass der Befragte nicht von sich und seiner Meinung erzählt, sondern sich mit der Meinung des Fragestellers beschäftigt. Der Fragende erfährt also nur, inwieweit der Befragte mit der Meinung des Fragenden übereinstimmt, was den Gesprächsrahmen erheblich einengt.

Gesprächsverlauf im Blick behalten
Man sollte möglichst nicht von sich aus auf Themenwechsel drängen, da dies beim Befragten zu der Überlegung führt: „Aha, das ist nicht gefragt. Was will er wohl hören?“ Wenn der Befragte von sich aus abschweift, sollte man dies zulassen und später wieder auf das verlassene Thema zurückkommen.

Pausen aushalten
Bei einem guten Fragegespräch tritt mitunter die Situation ein, dass der Befragte nachdenklich wird und auf etwas Neues kommt. Nachdenklichkeit äußert sich z. B. in Form von Stille, d. h. einer Pause im Gesprächsverlauf. Vielfach ist zu beobachten, dass der Fragende diese Stille nicht erträgt, unter Druck gerät und sich zu weiteren Fragen oder Kommentaren genötigt sieht – als wäre ein Gespräch nur dann ein gutes Gespräch, wenn pausenlos geredet wird.

Keine „psychologischen Löcher bohren“
In Ausnahmefällen kann man sich genötigt fühlen, die Äußerungen der anderen Person zu interpretieren (z. B. „Haben Sie Minderwertigkeitskomplexe?“) Der Betroffene wird dies verneinen, selbst wenn die Interpretation stimmt. Da es bei einer solchen Äußerung mehr um die Person als um die Sache geht, handelt es sich um eine Form der Zudringlichkeit, die auf der persönlichen Ebene Abwehr erzeugt. Die Konsequenz eines solchen Vorgehens ist, dass man von der Sache weniger erfährt.

Geäußerte Gefühle aufgreifen
Es kann – und sollte! – passieren, dass Befragte von sich aus über Gefühle reden. Dies zu ignorieren widerspricht einer einfühlsamen Gesprächsführung. In der „Themenzentrierten Interaktion (TZI)“ gilt die Regel, gefühlsmäßigen Äußerungen oder „Störungen“ jeder Art höchste Priorität einzuräumen. Als Gesprächsführer empfiehlt es sich, auch bei offensichtlich belasteten Themen nachzufragen, um herauszufinden, wie es dem Interviewten damit geht. Hier bewegt man sich fraglos in therapeutischen Grenzbereichen.

Zeit haben
Ausübung von Druck, den anderen unterbrechen, zu Aussagen drängen usw. sind Techniken, die auf einem falsch verstandenen Effektivitätsdenken beruhen. Dies bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht, dass man sich mit dem Gehörten sofort zufrieden geben sollte. Fragen wie „Warum ist das so?“ oder „Was noch?“ haben nichts mit Druckausübung zu tun, sondern dienen der Klärung und Vertiefung des Gesprächs. Zur Vermeidung von Allgemeinplätzen oder Ausflüchten eignet sich immer die Frage nach einem konkreten Beispiel.



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