Technik des Zuhörens
Das Reflexionsgespräch mit dem Kandidaten besteht für den Lernprozessbegleiter im Wesentlichen aus Phasen des Sprechens und des Zuhörens.
Das Zuhören ist, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so erscheint, jedoch meist die Aufgabe, die den Lernprozessbegleiter am meisten fordert. Dabei lässt sich das Zuhören nicht auf eine Technik reduzieren, sondern es existieren vielmehr einzelne gesprächsförderliche Punkte, die der Lernprozessbegleiter situativ und erfahrungsbasiert einsetzen muss.
Eine unumstößliche Technik des Zuhörens gibt es nicht, denn das Wichtigste in einem Gespräch ist ja, dass Sie als Lernprozessbegleiter auf die Antworten und Fragen des Kandidaten individuell eingehen. Eine Technik die dies von sich aus ermöglicht gibt es dazu nicht. Sie können sich aber an die folgenden gesprächsförderlichen Punkte halten, die, wenn man sie liest, vielleicht banal klingen, im Berufsleben jedoch sehr oft nicht beachtet werden.
Zuhören
Zuhören statt reden
Das Gespräch mit einem Kandidaten ist misslungen, wenn der Lernprozessbegleiter mehr redet als der Kandidat. Der Lernprozessbegleiter will schließlich Dinge von dem Kandidaten erfahren und nicht ihm welche erzählen. Es gilt die Faustregel: der Lernprozessbegleiter hat nicht mehr als 10 % maximal 20% der Redezeit. Ein sicheres Zeichen für einen Fehler ist, wenn der Kandidat sagt: Wenn ich auch einmal was sagen dürfte....
Fragehaltung nicht aufgeben
Die Dienstleistung des Lernprozessbegleiters besteht nicht darin, die eigene Meinung in den Vordergrund zu stellen, denn das führt zu Diskussionen womit das Gespräch beendet wäre. Sie besteht vielmehr zu einem erheblichen Teil darin Fragen zu stellen, unter anderem auch darin, den Kandidaten zu eigenen Fragen zu ermutigen. Peinlich ist das nur dann, wenn der Interviewte beginnt, deshalb eigene Fragen zu stellen, weil man selbst keine mehr hat. Spätestens dann zeigt sich, dass es auch wichtig ist darauf zu achten, wann sich ein Gespräch erschöpft hat.
Keine Reaktion außer Verständnis
Man soll den Anderen verstehen wollen. Ein Fehler wäre, verbal (Das glauben Sie wohl selbst nicht !) oder im Ausdruck (kopfschütteln, vielsagend lächeln ...) Zweifel zu äußern, denn Zweifel erzeugt ein Angriffs- oder Verteidigungsspiel.
Offene und einfache Fragen stellen
Hilfreich für ein erfolgreiches Zuhören ist, wenn der Kandidat den Eindruck hat, dass er frei reden kann. Geeignet sind dafür kurze einfache Formulierungen, die Raum für Antworten eröffnen, z.B. Wie ging das vor sich?, Warum ist das so?, Wie hat sich das entwickelt? Das sind so genannte W-Fragen.
Schlecht dagegen sind Fragen, auf die der Befragte nur mit Ja oder Nein antworten kann (so genannte geschlossene Fragen), nicht zuletzt deshalb, weil sich der Lernprozessbegleiter sogleich eine neue Frage einfallen lassen muss, um das Gespräch weiterführen zu können und irgendwann gehen ihm die Ideen aus (s.o.).
Suggestivfragen vermeiden
Suggestivfragen (Sind Sie nicht der Meinung, dass...?) sind Unterstellungen und führen dazu dass der Befragte nicht von sich und seiner Meinung erzählt, sondern sich mit der Meinung des Fragestellers beschäftigt. Man erfährt also nur, in welchen Punkten der Befragte mit der Meinung des Fragenden übereinstimmt oder nicht. Damit engt man den Raum des Gesprächs ein.
Gesprächsverlauf im Blick behalten
Der Lernprozessbegleiter sollen in einem Gespräch nicht von sich aus auf Themenwechsel drängen, denn dies nimmt der Kandidat deutlich wahr (innerliche Reaktion beim Kandidaten: Aha, das ist nicht gefragt, was will er wohl hören?). Wenn der Befragte von sich aus abschweift, soll man das zulassen und später wieder auf das verlassene Thema zurückkommen.
Pausen aushalten
Bei einem guten Gespräch tritt mitunter die Situation ein, dass Befragte nachdenklich werden und auf etwas Neues kommen. Nachdenklichkeit äußert sich z.B. in Form von Stille, einer Pause im Gesprächsverlauf. Vielfach ist zu beobachten, dass Fragende dies nicht ertragen, seltsam unter Druck kommt und sich zu weiteren Fragen oder Kommentaren genötigt sehen als wäre ein gutes Gespräch nur dann ein gutes Gespräch, wenn ununterbrochen und pausenlos geredet wird.
Keine "psychologischen Löcher bohren"
In Grenzfällen sieht man sich mitunter verführt, mit Interpretationen der anderen Person aufzuwarten. Z.B. Haben Sie Minderwertigkeitskomplexe? Der Betroffene wird natürlich verneinen, selbst wenn die Interpretation stimmt. Das es bei einem solchen Vorgehen mehr um die Person als um die Sache geht, ist dies eine Form von Zudringlichkeit, die auf der persönlichen Ebene Abwehr erzeugt. Konsequenz: von der Sache erfährt man wenig(er).
Bitte versichern sie sich daher in Fällen in denen sie solch eine Äußerung beabsichtigen, ob sie hier noch in Ihrer Rolle als Lernprozessbegleiter agieren, oder ob sie in verwandten Gebieten (z.B. Therapie) abschweifen.
Geäußerte Gefühle aufgreifen
Es kann und sollte passieren, dass Befragte von sich aus über Gefühle reden. Dies zu ignorieren wäre das Gegenteil einer einfühlsamen Gesprächsführung. Aus der Themenzentrierten Interaktion (TZI) gibt es die höchst wichtige Regel, gefühlsmäßigen Äußerungen, insbes. Störungen, höchste Priorität einzuräumen. Als Gesprächsführer sollte man also auch offensichtlich belastende Themen nachfragen und herausfinden, wie es dem Interviewten damit geht. Hier gelangt man fraglos auch in therapeutische Grenzbereiche.
Zeit haben
Druck ausüben, unterbrechen, zu Aussagen drängen usw., um so schneller auf den Punkt (bzw. was man dafür hält) zu kommen, beruht auf einem falschen Effektivitätsdenken.
Gleichermaßen falsch wäre es aber auch, sich sofort mit dem Gehörten zufriedenzugeben und nicht nachzufragen. Warum ist das so? Was noch....?
Zur Vermeidung von Allgemeinplätzen bzw. Ausflüchten hilft immer die Frage: Wie ist das in einem konkreten Beispiel?
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Aktives Zuhören
Am besten überzeugt man andere mit den Ohren - indem man ihnen zuhört. (Dean Rusk)
Michael Ende beschreibt in seinem Buch "Momo" ein kleines Mädchen mit einer außergewöhnlichen Fähigkeit:
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"Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war: Zuhören.
Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten.
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Aktives, geschultes Zuhören ist die wichtigste Fähigkeit im Gespräch mit dem Gegenüber. Aktives Zuhören fällt schwerer als Sprechen, daher ist Zuhören auch der schwierigste Part im Gespräch.
Aktives Zuhören bedeutet "aufnahmebereite Zuwendung". Es bedeutet nicht nur, das Gesprochene zu erfassen, sondern auch ein Ohr zu entwickeln für die Hintergründe, das Unausgesprochene und die Zwischentöne.
Aktives Zuhören ist an vier Voraussetzungen gebunden:
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Interesse
Bereitschaft, zuzuhören
Fähigkeit, zuzuhören
Völlig präsent sein
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Wichtig ist, dass mein Gegenüber auch merkt oder zumindest das Gefühl hat, dass ich ihm tatsächlich zuhöre. Daher sollte die aufnahmebereite Zuwendung signalisiert werden. Dies kann geschehen durch nonverbale Zeichen (Blickkontakt, Körperhaltung, Ausdrucksbewegung) oder durch verbale Elemente im Sinne der Verstärkung oder durch ergänzende bzw. klärende Aussagen und Fragen. Aktives Zuhören bedeutet daher: Zugewandsein, Interesse signalisieren, die Botschaft aufnehmen und die Botschaft annehmen.
Aktives Zuhören ist ein aktiver Bestandteil des Gesprächs und unverzichtbar. Es ist das komplementäre Element zum Sprechen. Beide Einzelelemente sind Fragmente, die für sich allein kein Gespräch ausmachen. Erst die Verflechtung von Sprechen und aktivem Zuhören bildet das eigentliche Gespräch.
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