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Die vollständige Arbeitshandlung

Das Modell der vollständigen Arbeitshandlung zeigt, dass eine lernhaltige Aufgabenstellung möglichst alle diese Stufen umfassen sollte, damit der Arbeitende an jeder Stelle im Arbeitsprozess verstehen kann, warum und wofür er arbeitet. Dann kann er sich selber korrigieren und seine Handlungen sinnvoll planen. Die Darstellung auf der rechten Seite stellt die Kernherausforderungen der einzelnen Handlungsprozesse dar.
Phasen der vollständigen Arbeitshandlung


Die vollständige Arbeitshandlung und ihr Lernpotential







1. Phase: Übernahme der Aufgabe/ informieren

2. Phase: Planung/ planen

3. Phase: Entschluss/ entscheiden

4. Phase: Durchführung/ ausführen

5. Phase: Wahrnehmung und Betrachtung, Kontrolle/ kontrollieren

6. Phase: Bewertung und Beurteilung/ korrigieren

7. Phase: Bewertung und Beurteilung/ korrigieren

8. Phase: Auswertung, innere Verarbeitung, inneres Wachstum

9. Phase: Wissensmanagement/ dokumentieren


1. Phase: Übernahme der Aufgabe/ informieren

Jeder Arbeitsprozess beginnt damit, dass irgendwo ein Problem, ein Bedürfnis, ein Auftrag auftaucht, den der Arbeitende als Aufgabe übernimmt. Dabei geht es grundsätzlich um Bedürfnisse und Probleme anderer Menschen, nicht um Eigenbedürfnisse des Arbeitenden. – Wesentliche Unterschiede für die Anforderungen dieser Phase an die Arbeitenden ergeben sich daraus, ob die Aufgabe neu entdeckt oder prinzipiell bekannt ist, ob die Art ihrer Lösung erst entwickelt werden muss oder gegeben ist; wie allgemein (und damit interpretationsbedürftig) die Aufgabe formuliert ist, und ob sie selbst gesucht oder von anderen erteilt ist.

2. Phase: Planung/ planen

Charakteristisch für jede Arbeit ist, dass nach der möglichen genauen Beschreibung der Arbeitsaufgabe nicht sofort gehandelt wird, sondern dass man zunächst eine mehr oder weniger lange Phase der Arbeitsplanung durchläuft. Man kann drei Stufen dieser Planungsphase unterscheiden:
1. Konzeption, Entwürfe, Ideen
2. Konkrete Arbeitsziele benennen
3. Planungs- und Handlungsprogramm erstellen.
Den allgemeinen Aufgaben müssen zunächst Lösungsideen gegenübergestellt werden (einschließlich der einzuhaltenden Rahmenbedingungen, wie z.B. Kosten usw.) dann erfolgt die eigentliche Planung der Maßnahmen zur Zielerreichung, die Konstruktion bis hin zur Zeichnung, die theoretische Problemlösung. Schließlich ist diese in ein festes Handlungsprogramm umzusetzen, das alle Arbeitsschritte in ihrer erforderlichen Reihenfolge festlegt, den Bedarf an Werkzeugen und Material ermittelt, ggf. auch die Arbeitsteilung plant. Die prinzipiellen Planungsanteile können selbstverständlich sehr unterschiedlich deutlich ausgeprägt sein.

3. Phase: Entschluss/ entscheiden

Mit der Entscheidung für ein Handlungsprogramm ist zunächst nur die rein kognitive Phase zum Abschluß gekommen. Sie birgt noch keine Automatik, dieses Programm auch in die Tat umzusetzen: Der Entschluss, den Handlungsplan auch zu verwirklichen, ist ein eigener Schritt (oft vom Tätigen unbemerkt), deutlich aber ein Übergang, kein Zustand. Je nach Arbeit und Arbeitsbereich kann dieser Entschluss mehr oder weniger große Unsicherheiten und Risiken bergen, er kann mit ganz unterschiedlichen Widerständen und Hemmungen verbunden sein oder von ganz verschiedenen Beweggründen abhängen. Der Entschluss kann mehr oder weniger eigenständig gefasst werden. Eine Arbeit kann übernommen werden, weil der Arbeitende sie aus freier Entscheidung an sich nimmt oder auch, weil er sie übertragen bekommt und sie ausführen muß. Damit führt er aber den Willen eines anderen aus und überspringt für sich – in gewisser Weise – die Entschlussphase.

4. Phase: Durchführung/ ausführen

Die Durchführung der Arbeit bedeutet, dass der nun bisher noch theoretische Plan in konkrete Handlungen übersetzt wird. Diese Durchführung bringt auch die Überprüfung des Plans mit sich, ob dieser sich überhaupt zur praktischen Bearbeitung eignet. Manche Arbeiten bleiben in dieser Phase auf einer Stufe symbolischer Realisierung (z.B. in sprachlichen oder schriftlichen Äußerungen).
Im zweckrationalen Arbeitsprozess geht es immer darum, dass etwas Vorgedachtes realisiert wird.
Im wahrnehmungsgeleiteten Handeln geht es darum, tastend probehandelnd, im schnellen Wechsel mit der Phase 5, sich die notwendigen Handlungsschritte zu erarbeiten. Dabei wird auf die Ideen und Vorüberlegungen zurückgegriffen, es wird aber auch korrigierend Neues erdacht und daraus gehandelt. (Phase 2 und 3)


5. Phase: Wahrnehmung und Betrachtung, Kontrolle/ kontrollieren

Die Wahrnehmung der Arbeit und die Betrachtung der Handlungsumstände bildet den Übergang zur anschließenden Bewertungsphase. Hier wird deutlich, dass die Phaseneinteilung eines Arbeitsprozesses nicht streng als zeitliches Nacheinander zu verstehen ist, sondern wirklich nur als Logik des Ablaufs. So muss zwar die Durchführungsphase auf jeden Fall begonnen haben, bevor irgend etwas an äußeren Abläufen beobachtet werden kann, aber im übrigen überlappen sich die Phasen je nach Tätigkeit in sehr charakteristischer Weise: Viele Arbeiten sind durch eine enge Verflechtung von Beobachtung und Handlung charakterisiert und vielfach sind auch die Abläufe nicht so streng festgelegt und planbar, so dass ein Tätigkeitsablauf aus mehreren Wiederholungen des Teilzyklus: Durchführen – Beobachten – Programmanpassung (Revision der Planung) – neuer Entschluss – Durchführung usw. bestehen kann.

6. Phase: Bewertung und Beurteilung/ korrigieren

In der nächsten Phase müssen die Wahrnehmungen eingeordnet und bewertet werden: Was von dem Wahrgenommenen ist Folge des geplanten Vorgehens, was hat sich davon unabhängig ergeben? Sind die Ziele erreicht? Waren Ziele und gewählte Mittel im Hinblick auf die Aufgabe sinnvoll? Hier ist auch zu klären, welche Schlussfolgerungen aus einer Bewertung gezogen werden können, ob z.B. Fehler, die sich herausstellen, korrigiert werden können und wie man es anders, besser machen könnte.

7. Phase: Beendigung der Arbeit/ abgeben

Die Ablösung vom Arbeitsprozess ist ein Moment des inneren Loslassens. Eine Arbeit zu beenden, ist gar nicht so leicht. Die Beendigung der Arbeit und ihre Übergabe an andere bedarf eines regelrechten Entschlusses, nicht nur die Durchführung zu beenden, sondern auch einen – vorläufigen oder dauerhaften Schlussstrich unter die innere gedankliche oder emotionale Beschäftigung mit dem Handlungsinhalt zu ziehen. Dass diese Phase im Gesamtzusammenhang der Handlung wichtig ist, sieht man an solchen Menschen, die eine Arbeit nicht loslassen können – sei es aus momentanen Krisen heraus, sei es auch persönlicher Eigenart. Geschieht dieses „Loslassen“ nicht, schadet das der folgenden Erholungsphase und beeinträchtigt damit alle Fähigkeiten, die aus der Erholung geschöpft werden können.

8. Phase: Auswertung, innere Verarbeitung, inneres Wachstum

Ein Arbeitsauftrag ist erst dann vollständig beschrieben wenn man auch den Lernprozess des Arbeitenden selbst hinzuzieht, seine Verarbeitung der Erfahrungen mit dem vergangenen Handlungszyklus. Nur aus dieser Phase heraus bilden sich neue Kräfte und Fähigkeiten, neue Fragen und Orientierungen. Hier ist also der Punkt erreicht, an dem das Moment der persönlichen Rückschau einsetzt, die zugleich übergeht in eine Phase neuer Motivation und des Neubeginns. Physisch handelt es sich hier um die Regeneration verbrauchter Kräfte, seelisch handelt es sich um die Realisierung der mit der Arbeit möglich gewordener Lernprozesse. Hier geht es auch darum, das Vergangene aus dem Abstand heraus betrachten zu können, neue Ideen bilden zu können, sich aus Routine und Handlungsschemata zu befreien, um mit neuer Unbefangenheit und Kraft neue Aufgaben beginnen zu können.

9. Phase: Wissensmanagement/ dokumentieren

In einer Zeit, in der Wissen nicht mehr als Vorrat für Generationen betrachtet wird, ist es notwendig, das neu erworbene Wissen schnell den Kollegen und im Betrieb weiterzugeben. Das kann formal in Dokumentationen, das kann aber auch in Qualitätszirkeln oder beim informellen Erfahrungsaustausch unter Kollegen mündlich geschehen. Wichtig für das Erfahrungswissen ist es, dass die je speziellen Erfahrungen und Umstände in denen gelernt wurde mitgegeben werden. Für neue Erkenntnisse, die auch zu formalem Wissen des Unternehmens werden sollen sind die Bezüge zum bisherigen Denken herzustellen.



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