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Europass

Das klingt verwirrend? Uta-Maria Behnisch von der Nationalen Agentur beim BIBB in Bonn, Leiterin des deutschen Nationalen EUROPASS Center, (NEC) klärt auf: „Der EUROPASS in seiner heutigen Form ist eigentlich ein Baukasten von derzeit fünf Instrumenten, die allesamt Türen zum Lernen und Arbeiten in Europa öffnen wollen.“ Damit soll nicht nur Transparenz im Dschungel der vielen Ausbildungen und Qualifikationen geschaffen werden - jeder Bürger kann die verschiedenen Teile des Ganzen auch seinen Bedürfnissen entsprechend nutzen.

Dazu gehört der EUROPASS Lebenslauf und der EUROPASS Sprachenpass, die Dokumente, die jedem über die EUROPASS Homepage zur Verfügung stehen und für die ein Auslandsaufenthalt nicht zwingend erforderlich ist. Dann noch das Diploma Supplement, die EUROPASS Zeugniserläuterung, und eben der „EUROPASS Mobilität“. Der ersetzt seinen Vorgänger, den alten EUROPASS Berufsbildung. „Beschlossen und ins Leben gerufen wurde diese erste Variante schon im Jahr 2000 von der EU-Kommission und dem EU Parlament“, informiert Uta-Maria Behnisch. Rund 100.000 Pässe wurden europaweit ausgegeben, darunter allein 45.000 in Deutschland. Die Nutzer waren vorwiegend Auszubildende und Studenten, die damit einen Auslandsaufenthalt zur beruflichen Bildung dokumentieren konnten.

Der EUROPASS - eine „Erfolgsgeschichte“? „Gemessen an den Erwartungen, die man an das Rahmenkonzept mit seinen fünf einzelnen Transparenzdokumenten haben kann, ganz sicher“, sagt Susanne Burger, Leiterin des Referates „EU-Bildungsprogramme, Internationale Zusammenarbeit in der Bildung“ im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Durch die Unterschiedlichkeit der Bildungssysteme in den europäischen Ländern ist die Unkenntnis über Stellenwert und Bedeutung eines Bildungsabschlusses oder einer Bildungsmaßnahme aus einem anderen Mitgliedsland nach wie vor sehr groß. „Dem wirkt dieses Konzept erfolgreich entgegen“, so Burger. „Der Europass schafft Transparenz.“

Europäische Mobilität

Seit Januar 2005 hat das Vorgängerdokument einen Nachfolger bekommen, der weit mehr bietet und sich an eine größere Zielgruppe richtet: Mit dem heutigen EUROPASS Mobilität werden Inhalte, Ziel und Dauer des Aufenthaltes in einem europäischen Land dokumentiert. Und es geht um Lernerfahrungen jeder Art, jeden Niveaus und jeder Person. Uta-Maria Behnisch macht klar: „Jeder darf den EUROPASS Mobilität nutzen, der sich zu einem begrenzten Lernabschnitt in einem anderen EU-Land aufhält. Das können Erwachsene oder Schüler sein, Studenten oder Auszubildende.“ Offiziell festgehalten werden Praktika, Teile der Schul- oder Berufsausbildung, Sprachkurse oder Auslandssemester an einer Hochschule. „Dieser Nachweis über im Ausland verbrachte Bildungszeiten ist auch für Bewerbungen im Inland äußerst hilfreich“, urteilt Susanne Burger.

Aber dazu gibt es einige verbindliche Regeln: Zum Beispiel kann nicht jeder Einzelne den EUROPASS Mobilität selbst beantragen. „Das Dokument steht für eine gewisse Qualität, deshalb muss das immer der Entsender, also die Organisation oder das Unternehmen hier in Deutschland tun“, sagt Behnisch. „Und im aufnehmenden Land werden dann die Dauer, die Ziele und Inhalte durch die dortige Firma, Personalabteilung, Schule, Hochschule oder sonstige Organisation bestätigt.“ Die wurden vorab zwischen den Beteiligten schriftlich vereinbart und dem jeweiligen NEC vorgelegt. Nicht zu vergessen, dass dabei auch vereinbart wird, dass im Gastland jeweils ein Mentor zur Unterstützung und Hilfe bereit steht.

Dafür gelten aber sonst keine Einschränkungen, weder bei der Dauer noch bei der Art des Aufenthalts. Außerdem ist das Papier, das es auch in elektronischer Form gibt, kostenlos und gilt in 27 EU-Ländern und den Staaten Island, Norwegen, Liechtenstein. Auch in der Türkei, Kroatien und der Schweiz kann der EUROPASS eingesetzt werden. Also die besten Voraussetzungen, damit Menschen, die in Europa mobil sein und ihre Qualifikationen auch unter Beweis stellen wollen, dieses Instrumentarium auch nutzen, oder? „Ja, damit können sich die Teilnehmer auf die inhaltliche Substanz des Dokumentes verlassen und die beteiligten Firmen oder Hochschulen machen sich ein klares Bild der erworbenen Kenntnisse im Ausland“, begründet Uta-Maria Behnisch.

Nicht überall gleich große Akzeptanz

Bei diesem Teil des „Baukastens“ ist Deutschland derzeit der europäische Vorreiter. Denn dank einer neu aufgebauten Datenbank wurde das Verfahren noch schneller und kann einfacher abgewickelt werden, als je zuvor. „Ja, hierzulande wird der Europass Mobilität sehr gut angenommen“, sagt Susanne Burger. Denn alle von Brüssel oder der Bundesregierung geförderten Austauschmaßnahmen in der beruflichen Bildung beinhalten auch die Ausgabe des Europasses an die Teilnehmer. „Im Hochschul- und Schulbereich sind wir noch nicht ganz so weit, aber dies ist nur eine Frage der Zeit. Andere Länder sind da noch nicht so weit.“

Seit 2005 sind in Deutschland bereits erneut rund 17.000 Anträge eingegangen. Rund zwei Drittel davon über die bekannten EU-Bildungsprogramme wie „Leonardo da Vinci“ oder „Sokrates“. Und wohin zieht es die Deutschen, die sich beruflich in Europa umsehen wollen? „Als Länder sind nach wie vor Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien sehr beliebt“, zählt Behnisch auf. „Aber auch Polen gewinnt an Popularität.“ Und bei den Einsatzgebieten rangieren Bauprojekte, Restaurierungsvorhaben, aber auch die Verwaltung und das Hotel- und Gaststättenwesen weit vorne.

Lebenslauf und mehr

Wie werden die anderen Instrumente des Europass akzeptiert? „Was den europäischen Lebenslauf betrifft, so halte ich ihn für ein ganz hervorragendes Formular, von dem ich mir wünsche, dass es viel weiter verbreitet wird“, appelliert Susanne Burger. „Einige Institutionen verlangen bereits für Bewerbungen die Nutzung des Europäischen Lebenslaufes. Es wäre wichtig, ihn in Schulen und Betrieben noch stärker bekannt zu machen und mit ihm zu arbeiten, gerade, weil er nicht dem traditionellen deutschen Lebenslauf entspricht, sondern international üblichen Vorgaben.“

Und wer als Jungakademiker eine Bewerbung im Ausland plant, für den sind das Diploma Supplement zur Erläuterung des Hochschulabschlusses und die Zeugniserläuterungen für die beruflichen Abschlüsse von großer Bedeutung. Denn hier kann der ausländische Arbeitgeber einen guten Einblick in die erworbenen Qualifikationen bekommen, insbesondere auch weil sie mehrsprachig sind.

Wie wird die Zukunft des Europass aussehen? „Das Bundesministerium für Bildung und Forschung wird gemeinsam mit dem Nationalen Europasszentrum beim Bundesinstitut für Berufsbildung zahlreiche Aktionen unternehmen, um das Rahmenkonzept Europass in Deutschland bekannter zu machen“, kündigt Susanne Burger an. Sie weiß: „Die anderen europäischen Länder unternehmen ähnliche Anstrengungen, aber die Akzeptanz ist doch noch sehr unterschiedlich.

Das ist wohl auch ein Grund, warum zu den bereits bestehenden fünf Instrumenten nicht noch weitere dazu kommen sollen. „Zunächst einmal geht es darum, den Europass gut einzuführen und seine Nutzung in Europa zu stärken“, schaut Burger voraus. „Aber der Europass Lebenslauf bietet ja zum Beispiel die Möglichkeit, jedwedes Dokument anzuhängen, das zur Dokumentation von Qualifikationen geeignet erscheint. Neben persönlichen und länderspezifischen Unterlagen könnte dies ja etwa auch der Europäische Computerführerschein sein.“

Ob für Unternehmen oder Einzelpersonen - alle Fragen zu den einzelnen Instrumenten des EUROPASS werden hier beantwortet:


 

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