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Andere Wege bei der Nachwuchsförderung: Mehr Ausbildung für den Strukturwandel
„Joy“, das bedeutet eigentlich Freude. Aber in Dortmund, Hamm und dem Kreis Unna hat das Wort noch eine andere Bedeutung: Gemeint sind die „Juniors of the Year“. Freuen können sich allerdings auch diese Junioren: Sie haben am gleichnamigen Wettbewerb teilgenommen, mit dem die besten IT-Azubis aus der Region ermittelt werden. Gerade sind wieder junge Leute aus allen drei Lehrjahren in den Ausbildungsberufen IT-System-Elektroniker/-in, Fachinformatiker/-in, Informatikkauffrau/-mann und IT-Systemkauffrau/-mann zur Teilnahme aufgerufen. Bis Mitte Mai können sie ihre Projekte einer fachkundigen Jury aus Wirtschaft, Verwaltung und Organisationen vorlegen.
  Der JOY-Wettbewerb, der in diesem Jahr zum dritten Mal stattfindet, ist
das Kernstück der Ausbildungskampagne des dortmund-project. Mit dieser
Initiative will die Stadt Dortmund in Kooperation mit Partnern aus
Wirtschaft und Wissenschaft den Strukturwandel in der Region
vorantreiben. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Förderung von
Unternehmensgründungen, lokalen Netzwerken und günstigen
Rahmenbedingungen für Informationstechnologie, Mikrosystemtechnik und
Logistik. „Gut ausgebildete junge Leute in diesen Branchen sind ein
wesentlicher Faktor für die Zukunft des Technologiestandorts“, sagt
JOY-Projektleiterin Stefanie Gerszewski. „Durch die Stärkung der
IT-Ausbildung am Standort trägt diese Kampagne viel zur
Nachwuchsförderung bei.“
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JOY- Ausbildungskampagne
Der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Agentur für Berufsbildung, die IHK, die Arbeitsagentur und der Fachbereich Schule der Stadt Dortmund sind Partner der JOY-Kampagne, mit der die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten für die IT-Berufe bekannter gemacht werden sollen. Der Wettbewerb Juniors of the Year ist ein Teil davon. Die Sieger werden am 22. Juli 2004 bekannt gegeben.
Rund 30 Arbeiten werden in jedem Jahr zum Wettbewerb eingereicht. Und mit ihren Ausarbeitungen beteiligen können sich nicht nur Teams oder Gruppen, sondern auch einzelne Azubis aus allen Jahrgängen. Die sollen zeigen, wie sie Projekte aus der betrieblichen Praxis oder der schulischen Ausbildung selbstständig umsetzen. Die besten Projekte werden zum Abschluss des Wettbewerbs auf der JOY-Show mit Geld- und Sachpreisen prämiert. Die Gewinner des Jahres 2003 in der Kategorie „Gruppenarbeit“, die Fachinformatiker Anwendungsentwicklung Jessica Muschack, Timo Klein und Daniel Beyersdorf haben für ihren Ausbildungsbetrieb, die Lenz & Partner AG, zum Beispiel einen „FAQ-Webgenerator“ erdacht und realisiert. Informatikkauffrau Ines Wolf, Gewinnerin bei den Einzelarbeiten, entwickelte bei der Westdeutschen Getränke Vertrieb GmbH & Co. KG (WGV) eine Lösung, mit der der Aufwand bei der Erstellung von Vertriebsstatistiken im Vertrieb und Controlling verringert werden kann. „Einführung des Standard Vertriebs-Informationssystems in das SAP R3-System“ lautete der offizielle Projekttitel. |
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Wettbewerb mit „Folgen“
Dass mit Ines Wolf eine junge Frau als Junior of the Year gewählt wurde, freut auch Stefanie Gerszewski besonders. Denn eines der Ziele der Initiative ist es ja, mehr weiblichen Nachwuchs für die noch immer als Männerdomäne geltenden IT-Berufe zu begeistern. Der Preisträgerin hat der Wettbewerb jedenfalls mehr als nur Spaß gemacht. Sie fühlt sich auch in ihrer Berufswahl bestätigt. „Die Bewertung durch die Jury und der Gewinn stärkt natürlich das Selbstvertrauen“, sagt sie stolz.
Junge Leute zu motivieren, sich für eine Ausbildung in Informatikberufen zu interessieren, ist aber nur eine der Aufgaben, die JOY erfüllen soll. „Wir wollen auch die Unternehmen der Region vom Wert der Ausbildung überzeugen und damit langfristig mehr Ausbildungsplätze schaffen“, sagt Stefanie Gerszewski.
Dass dieses Ziel tatsächlich erreicht wird, kann Kerstin Aigner, zuständig für die Koordination der Personalentwicklung bei der Materna GmbH, bestätigen: „In vielen Abteilungen ist der JOY-Wettbewerb mittlerweile zu einem festen Bestandteil der Ausbildung geworden“, sagt sie. „Über die Durchführung eigenständiger Projekte lernen Azubis, marktfähige Lösungen zu entwickeln und leisten so auch wertvolle Arbeit für das Unternehmen. Außerdem bereitet die Teilnahme am Wettbewerb optimal auf die Abschlussprüfungen vor und macht Spaß." |
  Der Wettbewerb ist nicht alles, was JOY organisiert. Als Teil der Nachwuchsförderung hat das dortmund-project im letzten Herbst zum ersten Mal die Ausbildungs- und Studienmesse „JOBtec“ in Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund, der Agentur für Arbeit Dortmund und dem Fachbereich Schule organisiert. Über 1.000 Schülerinnen und Schüler haben sich hier bei Unternehmen direkt oder im Rahmen von Talkrunden über die Ausbildungs- und Studienangebote in den neuen Technologien informiert. „Natürlich stehen hier auch die JOY-Wettbewerbsteilnehmer ihren Altersgenossen Rede und Antwort,“ freut sich Thorsten Schütz, der im dortmund-project als Projektmanager für die Ausrichtung der JOBtec zuständig ist, über seine jungen Mitstreiter, die die besten „Botschafter“ sind. |
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Das dortmund-project
Das dortmund-project ist ein Zusammenschluss aus Stadt, Wirtschaft und Wissenschaft. Auf der Basis einer Public-Private-Partnership sollen alle ökonomischen Kräfte gebündelt werden, um einen grundlegenden Strukturwandel in der Region zu erreichen. Das dortmund-project, in einzelnen Teilprojekten durch EU-Fördermittel unterstützt, hat sich das Ziel gesetzt, bis 2010 in Dortmund 70 000 neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Darüber hinaus werden im Rahmen der Kampagne aber auch die so genannten Arbeitsfrühstücke veranstaltet, bei denen jedes Mal andere Themen rund um IT-Aus- und Weiterbildung im Mittelpunkt stehen. Berufskolleg-Lehrer, Ausbilder, Personalchefs und Ansprechpartner aus der Verwaltung und verschiedenen Institutionen treffen sich hier regelmäßig zum Gedankenaustausch unter Praktikern. „Das reicht von der Diskussion über die Gründung eines neuen Berufskollegs über interessante Ausbildungsinitiativen bis hin zur Information für Betriebe, die zum ersten Mal ausbilden wollen“, umreißt Thorsten Schütz die Bandbreite der Themen. Das gemeinsame Ziel: Die Zusammenarbeit aller, die am dualen Ausbildungssysteme beteiligt sind, zu verbessern und mehr Ausbildungsplätze vor allem in den neuen Technologien zu schaffen. |
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Die Unternehmen profitieren
Spielen da die Betriebe überhaupt mit? „Für uns überwiegen die
Vorteile“, hält Lothar Müller, Geschäftsführer der alpha-bit GmbH in
Erlangen dagegen. Sein Unternehmen, das unter anderem Software für
Automatisierungssysteme, Anlagen und Steuerungen entwickelt,
beschäftigt zur Zeit 15 Mitarbeiter und ist selbst gerade nach DIN ISO
9001:2000 zertifiziert. „Als Unternehmen ist für uns Fortbildung der
Beschäftigten einfach wichtig und wir profitieren davon“, ist Müller
überzeugt. Deshalb bekommt Dirk Schlage, der in Kürze zum Database
Developer zertifiziert werden möchte, auch Unterstützung – durch den
fachlichen Berater, den alpha-bit selbst stellt. Und auch dadurch, dass
er während der Arbeitszeit genug Möglichkeiten bekommt, zu lernen und
sein Projekt „Webbasierte Ressourcenplanung“ umzusetzen. „Das ist eine
Sache der Absprache und des Vertrauens“, meint der Geschäftsführer.
Schließlich verschafft das Zertifikat nicht nur dem ehemaligen
Studienabbrecher einen qualifizierten und anerkannten Nachweis. „Es
bindet noch lange einen qualifizierten Mitarbeiter an uns“, hofft
Müller.
Neues Know-how bringt der Qualifizierungsprozess auch jetzt schon
für das Unternehmen. Bei den so genannten Freitagsvorträgen hat Dirk
Schlage an seine Kollegen weitergegeben, was er selbst bislang über
Projektmanagement gelernt hat. „Und das war viel wirkungsvoller, als
die Ausführungen des Chefs“, lächelt Lothar Müller. |