Das KIBNET-Logo
KIBNET-Services
Link zum Bundesministerium für Bildung und Forschung
KIBNET wird durch das BMBF gefördert
IT-Ausbildung

Ausbildung zur Fachinformatikerin Anwendungsentwicklung

Eigentlich ist Janina Morali, 21 Jahre alt, etwas aus der Art geschlagen. Eigentlich: Denn ihre Mutter ist von Beruf Fotografin und ihr Vater Heizungsmonteur. Janina zieht es aber weder in einen gestalterisch-kreativen, noch in einen handwerklichen Beruf. Sie ist auf dem besten Wege, die Ausbildung als „Fachberaterin Softwaretechnik“ zu beenden.

SPE Auszubildende Janina Morali

Damit ist sie eine von bundesweit über 400 Auszubildenden, die von Siemens Professional Education (SPE) auf Basis der IT-Berufe „Fachinformatiker Systemintegration“, „Fachinformatiker Anwendungsentwicklung“ und „IT-Systemkaufmann“ zu Fachberatern für Siemens-Bereiche in Deutschland und auch für Partnerunternehmen ausgebildet werden. Im Mai steht für die junge Frau mit der Ausbildung „Fachinformatikerin Anwendungsentwicklung“ die Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer Paderborn an.

Beruf Fachinformatiker Anwendungsentwicklung.

Fachinformatiker in der Anwendungsentwicklung analysieren den Bedarf von Kunden im Bereich von Hard- und Software. Sie konzipieren und realisieren kundenspezifische Lösungen, führen Beratungen durch und präsentieren geeignete Anwendungen. Sie sind in der Lage, Fehleranalysen durchzuführen, bestehende Applikationen zu integrieren und gegebenenfalls zu modifizieren. Dafür können sie auf die Methoden des Software-Engineerings und moderner Softwareentwicklungs-Tools zurückgreifen. Professionelles Projektmanagement (Planung, Durchführung, Kontrolle) und eine gute Kenntnis betrieblicher Prozesse sind unverzichtbar. Neben den technischen Kenntnissen müssen Fachinformatiker sich auch kaufmännisches Know-how aneignen.

Zu den Einsatzgebieten zählen:

  • Kaufmännische Systeme
  • Technische Systeme
  • Expertensysteme
  • Mathematisch-wissenschaftliche Systeme
  • Multimedia-Systeme

Schon die Zahlen machen klar: Die Ausbildung in diesen drei Fachberaterberufen ist bei SPE eine männliche Domäne. Denn außer Janina Morali gibt es bei hier nur noch 69 andere junge Frauen, die im Berufsfeld IT eine Ausbildung mit der Ausprägung zur Fachberaterin absolvieren. Das deckt sich aber auch mit dem bundesweiten Trend: Im Jahr 2004 waren von den ausgebildeten IT-Systemkaufleuten 29,3 Prozent weiblich. Bei den Informatikkaufleuten waren es 22,3 Prozent und bei den Fachinformatikern nur 10,7 Prozent.

Siemens Professional Education

Die Siemens Professional Education Paderborn (SPE PB) blickt auf eine über 20-jährige Erfahrung in der IT-Ausbildung mit mehr als 15.000 Auszubildenden zurück.

Eine Ausnahme zu sein, ist Janina Morali gewohnt. „Schon vor dem Abitur bestand mein Informatikleistungskurs nur aus drei Teilnehmerinnen.“ Und schon damals hatte sie großes Interesse für Naturwissenschaften wie Biologie und Mathematik. Dass es dann doch kein Studium, sondern eine Ausbildung zur Fachinformatikern bei Siemens Business Services (SBS) geworden ist, hängt auch mit einem Informationsbesuch des Unternehmens an ihrer Schule, einem katholischen Mädchengymnasium zusammen. „Damals wurde darauf hingewiesen, dass SBS auch an Frauen Interesse hat, die sich für Anwendungsentwicklung interessieren“, erinnert sie sich.

Nach Bewerbung, Einstellungstest, Gruppen- und Einzelgespräch blieben schließlich 11 Kandidaten übrig. „Zehn Männer und ich.“ War es da von Vorteil, eine Frau zu sein? „Sicher war es kein Nachteil“, lächelt sie. „Aber letztlich zählte die Leistung.“ Ihren offiziellen Ausbildungsvertrag hat Janina Morali von SPE bekommen, ihr Arbeitsplatz aber ist bei SBS in Paderborn. „Wir sind Ausbildungs-Dienstleister für den gesamten Siemens-Konzern, aber auch für externe Partner“, schildert Heinz-Dieter Voskamp, Ausbilder bei SPE, das Vorgehen.

Von SPE bekommt Janina zum Ende ihrer Ausbildung auch ein internes Siemens-Zertifikat als Fachberaterin. „Wir versorgen unsere IT-Auszubildenden neben dem Berufsschulunterricht und den Praxisphasen im Unternehmen noch mit Zusatzseminaren“, erklärt Voskamp. „Das sind IT-Spezialthemen, aber es geht zum Beispiel auch um Sozialkompetenz.“ So üben die Azubis nicht nur Fachliches, sondern auch Kundenkontakte, Telefonverhalten oder Dienstleistungsdenken. Und büffeln auch noch Englisch, wofür es zum Abschluss zusätzlich das international anerkannte „Cambridge First Certificate in English“ gibt.

In ihrer praktischen Ausbildung bei SBS beschäftigt sich die Paderbornerin unter der Anleitung ihrer Ausbilder gerade damit, Intranetanwendungen für das SBS-Personalwesen zu entwickeln. „Auch wenn der Auftrag aus der eigenen Firma kommt, wird der Auftraggeber doch so behandelt, als wäre es ein externer Kunde“, sagt Janina Morali. Und deshalb stehen seine Wünsche und Anforderungen ganz oben an. „Anwendungsentwickler können natürlich technisch beraten und informieren“, hat die angehende Fachberaterin gelernt. Bestimmend ist jedoch immer die Anforderung des Kunden. Um solche Erfahrungen zu machen, bekommt sie in den Praxisphasen die Gelegenheit, mit erfahrenen Kollegen gemeinsam an Aufträgen zu arbeiten und an Besprechungen teilzunehmen. Und während sie sich in der Schule schon mit Turbopascal beschäftigt hat, programmiert sie jetzt meist mit Java.

Das Berufsbild des Fachinformatikers mit dem Schwerpunkt Anwendungsentwicklung hat nicht mehr viel mit dem des Programmierers früherer Tage zu tun. Janina Morali kennt die Vorurteile über wie besessen programmierende Freaks, die nächtelang vor ihren Rechnern sitzen und lacht darüber. „Wenn ich Zuhause bin, dann kann der Computer ruhig mal ausgeschaltet bleiben.“

Wie es nach der Ausbildung weitergeht? Eine Übernahme bei SBS ist jedenfalls zugesagt – ein Studium kommt dagegen für die junge Frau nicht infrage. „In ein paar Jahren steht ja auch mal die Familienplanung an“, schaut sie voraus.


 

Top | Druckversion | Artikel versenden | Feedback

21.05.2012 | © 1999-2006 by KIBNET Kompetenzzentrum IT-Bildungsnetzwerk | info@kibnet.org